„Tamo daleko“ erklingt in Osnabrück: Junge Menschen aus Serbien als Hüter der Erinnerung an ihre Vorfahren — RTS berichtet
Das Radio-Fernsehen Serbiens (RTS) berichtete über den Jugendaustausch, der 28 Kinder und Jugendliche aus Serbien nach Niedersachsen führte, wo sie — gemeinsam mit Schülern der Integrierten Gesamtschule Osnabrück — an der Enthüllung einer neuen Gedenktafel für die jugoslawischen Offiziere des Lagers Oflag VI C teilnahmen. Das Lied „Tamo daleko“, gesungen von den jüngsten Schülerinnen aus Ravno Selo, bewegte mehr als hundert Gäste der Feier.
Das Radio-Fernsehen Serbiens (RTS, Rubrik Diaspora, 16. Juni 2026, von Željko Dragić) berichtete über den Besuch junger Menschen aus Serbien in Niedersachsen. Wir zitieren aus dem Bericht: „Achtundzwanzig Kinder und Jugendliche aus Serbien, begleitet von den Lehrerinnen Nada Dangubić und Zagorka Kričković der Grundschule ‚Branko Radičević' aus Ravno Selo, hielten sich Anfang Juni in Niedersachsen auf und besuchten die Städte Hannover, Langenhagen und Osnabrück im Rahmen des traditionellen Jugendaustauschprogramms zwischen Serbien und Deutschland. Die jungen Gäste aus Serbien waren bei Gastfamilien in Langenhagen untergebracht, was eine unmittelbare Begegnung mit dem Alltag, der Kultur und den Bräuchen deutscher Familien ermöglichte. Organisiert wurde der Austausch vom Verein ‚Hilfe dem jungen Leben' aus Langenhagen, dessen Vorsitzender Dr. Željko Dragić ist. Er gründete den Verein vor 28 Jahren, noch als Gymnasiast, und seither werden jedes Jahr Begegnungen junger Menschen aus Serbien, der Republika Srpska und Deutschland organisiert — mit dem Ziel, Freundschaft und gegenseitiges Verständnis aufzubauen und europäische Werte zu stärken.“
„Für die Gäste aus Serbien war ein reiches und vielfältiges Programm vorbereitet. Eine besondere Ehre war der Empfang im Niedersächsischen Landtag, wo die Vizepräsidentin des Landtags, Sabine Tippelt, die jungen Menschen begrüßte. Die Schüler erfuhren mehr über das politische System der Bundesrepublik Deutschland, die Rolle des Parlaments, die Entwicklung der Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg und die Bedeutung der Bewahrung demokratischer Werte unter den jungen Generationen. Große Begeisterung löste der Empfang im Neuen Rathaus in Hannover aus, wo Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Klapproth Gastgeber war. Ein besonders bewegender Moment für die jungen Gäste war, als sie vor dem Rathaus die Flagge der Republik Serbien erblickten, die ihnen zu Ehren feierlich gehisst worden war. Diese Geste empfanden sie als Zeichen des Respekts und der Freundschaft zwischen den beiden Völkern.“
„Einen besonderen Platz im Programm nahm der Besuch in Osnabrück ein, der Stadt des Friedens und der Erinnerung. In dieser Stadt befand sich während des Zweiten Weltkriegs das Kriegsgefangenenlager Oflag VI C, in dem rund 6.500 Offiziere der Königlich Jugoslawischen Armee gefangen gehalten wurden. Unter ihnen waren rund 5.500 Angehörige der Serbisch-Orthodoxen Kirche, 649 Offiziere jüdischen Glaubens sowie Angehörige anderer Völker und Glaubensrichtungen, die dem Königreich Jugoslawien dienten — Slowenen, Tschechen, Slowaken und andere. In Zusammenarbeit mit den Schülern der Integrierten Gesamtschule Osnabrück (IGS Osnabrück), zahlreichen Freiwilligen und Partnern wurde feierlich eine neue Gedenktafel enthüllt, die an das Leiden und das Schicksal der an diesem Ort bestatteten jugoslawischen Offiziere erinnert. Mehr als hundert Gäste wohnten der Feier bei, die Tafel wurde von der Oberbürgermeisterin von Osnabrück, Katharina Pötter, enthüllt. Der bewegendste Moment der gesamten Feier war der Auftritt der jüngsten Mitglieder der Gruppe aus Serbien. Unter der Leitung der Lehrerin Zagorka Kričković führten die Schülerinnen der zweiten und dritten Klasse Marija, Sofija, Neda, Dunja, Greta und Tijana das Lied ‚Tamo daleko' auf. Viele Anwesende konnten ihre Gefühle nicht verbergen, als sie den Kinderstimmen lauschten, die an das Leiden, aber auch an die Würde der serbischen Offiziere erinnerten, die die schwersten Jahre ihres Lebens fern ihrer Heimat verbrachten.“

„Die Anwesenheit von Nachkommen der ehemaligen Gefangenen verlieh der gesamten Veranstaltung ein besonderes Gewicht. Aus Novi Sad kam Milun Ćurivić, Enkel des Kriegsgefangenen Arso Ćurivić, während sein Cousin Arso Ćurivić, ebenfalls Enkel desselben Offiziers, aus Podgorica anreiste. Beide waren tief bewegt, dass auch nach mehr als acht Jahrzehnten die Erinnerung an ihren Großvater bewahrt wird. Unter den jungen Besuchern Osnabrücks war auch der dreizehnjährige Đorđe Nićota aus Belgrad, Urenkel eines der im Lager inhaftierten Offiziere. Für ihn war der Besuch des Ortes, an dem sein Urgroßvater begraben liegt — dessen Namen er selbst trägt —, ein besonderer Moment. Diese Begegnung mit der Familiengeschichte hinterließ einen starken Eindruck bei dem jungen Đorđe und seiner Familie.“ Die Lehrerin Nada Dangubić betonte in dem Bericht: „Jugendaustausche sind nicht nur Reisen. Sie lehren Kinder Toleranz, Achtung der Vielfalt und Verständnis für andere Kulturen. Wenn junge Menschen einander kennenlernen, fallen Vorurteile, und es entstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten. Genau deshalb ist es wichtig, dass solche Programme existieren und sich weiterentwickeln.“
Der Bericht schließt mit den Worten von Dr. Željko Dragić zur Erinnerungskultur: „Jedes Jahr bringe ich junge Menschen an diesen Ort, weil ich es für unsere Pflicht halte, jene nicht zu vergessen, denen die Freiheit genommen wurde. Diese Offiziere waren fern von ihren Familien, ihr Land war besetzt und zerstört, und sie verbrachten Jahre hinter Stacheldraht. Die Erinnerung an sie ist nicht nur eine Frage der Geschichte, sondern auch eine Frage der menschlichen Würde. Wenn junge Menschen die Vergangenheit verstehen, bauen sie leichter eine friedlichere und bessere Zukunft.“ „Der Besuch in Niedersachsen hat gezeigt, dass die jungen Menschen aus Serbien wahre Botschafter ihres Landes sind. Zugleich hat diese Begegnung bestätigt, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Vergangenheit zu bewahren, die Erinnerungskultur zu pflegen und Brücken der Verständigung zwischen den Völkern zu bauen — Freundschaften und Zusammenarbeit, die Grenzen und Generationen überwinden.“






Quelle: RTS (Radio-Fernsehen Serbiens), Diaspora, „‚Tamo daleko' odjeknulo Osnabrikom: Mladi iz Srbije čuvari sećanja na pretke“, 16. Juni 2026. Der Originalartikel (auf Serbisch): https://www.rts.rs/rts/dijaspora/vesti/5974006/tamo-daleko-odjeknulo-osnabrikom-mladi-iz-srbije-cuvari-secanja-na-pretke.html
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